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Bayernkurier Nr. 48, Jahrgang 52 vom 29. November 2001
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Heizen wie zu Omas Zeiten

Wenn's draußen eisig kalt wird, dann zieht es einen schnell ins mollig warme Wohnzimmer. Besonders gemütlich ist es, wenn ein Kachelofen für die nötige Wärme sorgt. Der Trend zum traditionellen Heizen nimmt wieder stark zu, wobei vor allem antike Kachelöfen ein romantisches Flair in die eigenen vier Wände bringen.

Der Geruch nach brennendem Holz und das Knistern des Feuers lassen selbst das scheußlichste Wetter leichter ertragen. Und aus eben diesem Grund sind Kachelöfen und offene Kamine wieder richtig beliebt - wenngleich heute fast jede Wohnung ganz unkompliziert mit Gas oder Öl beheizt wird. Eine noch sinnlichere Atmosphäre als moderne Kachelöfen strahlen antike Stücke aus den vergangen Jahrhunderten aus.

Wer glaubt, die alten Öfen wären schon langst auf dem Müll gelandet, sieht sich getäuscht. Im oberbayerischen Bad Heilbrunn im Landkreis Weilheim gibt es Dutzende antiker Kachelöfen. Der Mann, der in Europa auf Ofen-Suche ist, heißt Theo Holtebrinck.

Der 53-Jährige hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Als Archäologie-Student restaurierte er Keramik und trieb sich auf Flohmärkten herum. Schließlich faszinierten ihn alte Kachelöfen immer mehr, so dass er sich einen alten Lehrmeister suchte, der ihn in die Arbeiten des Ofenbauers einwies. Inzwischen handelt er seit 20 Jahren mit Öfen.

In einem alten Schulhaus, mit Blick auf die Alpen, sind die antiken Stücke ausgestellt. Jedes ein Unikat aus verschiedenen Zeiten. Der älteste Ofen, der augenblicklich zum Verkauf steht, wurde 1744 gebaut. Ein Exemplar, das er einmal in seiner Sammlung hatte, erinnert sich Holtebrinck, war fast 350 Jahre alt. ,,Geboren" wurde der Kachelofen im Alpen-Gebiet, von wo er sich bis nach Skandinavien und Osteuropa verbreitete. Wenn Theo Holtebrinck sagt, dass er jährlich an die 100 Ofen verkauft, möchte man es ihm kaum glauben. Denn vor allem das Aufspüren von solchen Antiquitaten ist keine leichte Aufgabe. So hat er im Schwarzwald, Norddeutschland und sogar bis hin nach Lettland Vermittler, die für ihn auf der Suche nach schönen Einzelstücken sind. Und auch Antiquitätenhändler wissen inzwischen, an wen sie sich zu wenden haben, wenn ihnen ein Prachtexemplar auffällt.

Holtebrinck ist aber nicht ein einfacher Händler, der nur seine Gewinnspanne zum Preis addiert. Viele der Öfen sind beschädigt und müssen von ihm mit viel Liebe restauriert werden. Wenn Einzelteile fehlen, werden sie aus einer Silikonmasse modelliert und mit Alabastergips nachgegossen. Manchmal hilft auch schon ein Blick ins Lager, das sich im Keller der alten Schule befindet. Fein säuberlich sind hier überschüssige Kacheln und Türchen sortiert.

Holtebrinck und seine sechsköpfige Belegschaft legen Wert darauf, das alle Arbeiten in bewährter Methode vorgenommen werden. Die Farben sind frei von Chemikalien, jede Kachel wird mit Lehm befestigt, die Feuerkammer mit Schamottesteinen ausgekleidet. Notwendige Säuberungsaktionen werden mit schlichtem Wasser und einer Bürste durchgeführt. ,,Das kostet zwar mehr Zeit, dafür ist aber das Ergebnis wesentlich besser", erzählt Idealist Holtebrinck, der sich als Mitglied im Unternehmerverband historischer Baustoffe für den Denkmalschutz engagiert.

Dass antike Kachelöfen nicht zu Schnäppchenpreisen erworben werden können, liegt auf der Hand. Doch nicht immer sind selbst 100 Jahre alte Stücke nicht unbedingt teurer als neue Kachelöfen. Die Preise bewegen sich zwischen 10000 DM und 80000 DM. Zur Kundenklientel gehört zu großen Teilen die ,,höhere Schicht", die etwas besonderes will. Aber auch ökologisch bewusste Menschen sind auf der Suche nach einer alternativen und zugleich antiken Heizmöglichkeit.

Jeder zweite Ofen wild in neue Häuser eingebaut - hoch im Kurs liegen derzeit schwedische Öfen, weil sie durch ihre schlichten Formen und die weiße Farbe zu jeder Einrichtung passen. So wie die Öfen aus den verschiedensten Regionen kommen, sind auch die Kunden über Europa verstreut. Holtebrinck ist viel unterwegs; ob Italien, Belgien, Frankreich, Holland oder Norddeutschland, seine Antiquitäten sind über die bayerischen Grenzen hinaus sehr begehrt.

,,Wer einmal die Atmosphäre eines antiken Kachelofens gespürt hat, wird nie mehr darauf verzichten wollen", verspricht Holtebrinck. Seine Frau und er heizen selbst mit einem antiken Kachelofen - passend, denn sie wohnen auch im Schulhaus, in der ehemaligen Direktorwohnung versteht sich.

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Theo Holtebrinck – Antike Kachelöfen
Mürnsee 13, D-83670 Bad Heilbrunn, Telefon: 08046-1748, Telefax: 08046-8046
www.antike-kacheloefen.de, eMail: info@antike-kacheloefen.de

Produziert von Thomas Borghoff

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